Inspirationen zum Nachsinnen

Buchempfehlung: Anam Cara von John O`Donohue

Filmtip: Irelands Landscape, John O`Donohue

https://www.youtube.com/watch?v=Z5TCTLzl2Ec

(dauert 16 min. und ist wunderschön)

 

Übersetzung dazu von mir:

Irelands landscape- John Donnohue.pdf
Adobe Acrobat Dokument 3.7 MB

Foto: I.Otto, im Nationalpark in Kroatien

Foto: I.Otto, Blumenbeet im Juli

M

Morgens ging ich in den Garten,

eine Rose mir zu pflücken,

heimlich und in Furcht, der Gärtner

könnte mich dabei erblicken.

doch es waren seine Worte

köstlich über mein Erwarten:

"Nicht die Rose nur allein,

ich schenke dir den ganzen Garten!"

 

RUMI

 

 

Foto: I.Otto, Nationalpark Kroatien

 

Bald bin ich licht, bald bin ich trüb,

bald hart, bald weich, dann bös, dann gut.

Bin Sonn und Vogel, Staub und Wind,

so Mond als Kerze, so Strom wie Glut,

bin arger Geist, bin Engelkind -

Alles, alles ist gut.

 

RUMI

 

 

Foto:I.Otto, Installation in einem Park in Travemünde

 

 

Foto:I.Otto

Der Tanz

 

Ein Vierviertelschwein und eine Auftakteule

trafen sich im Schatten einer Säule,

die im Geiste ihres Schöpfers stand.

Und zum Spiel der Fiedelbogenpflanze

reichten sich die zwei zum Tanze

Fuß und Hand.

 

Und auf seinen dreien rosa Beinen

hüpfte das Vierviertelschwein graziös,

und die Auftakteul auf ihrem einen

wiegte rhythmisch ihr Gekrös.

Und der Schatten fiel,

und der Pflanze Spiel

klang verwirrend melodiös.

 

Doch des Schöpfers Hirn war nicht von Eisen,

und die Säule schwand, wie sie gekommen war;

und so mußte denn auch unser Paar

wieder in sein Nichts zurücke reisen.

 

Einen letzten Strich

tat der Geigerich -

und dann war nichts weiter zu beweisen.

 

Cristian Morgenstern

Foto: I.Otto, mein Weg im Wald

 

Die zur Wahrheit wandern

 

Christian Morgenstern

 

Die zur Wahrheit wandern,
wandern allein,
keiner kann dem andern
Wegbruder sein.

Eine Spanne gehn wir,
scheint es, im Chor ...
bis zuletzt sich, sehn wir,
jeder verlor.

Selbst der Liebste ringet
irgendwo fern;
doch wer's ganz vollbringet,
siegt sich zum Stern,

schafft, sein selbst Durchchrister,
Neugottesgrund -
und ihn grüßt Geschwister
Ewiger Bund.


Foto: I.Otto,  Boot auf der Wiese in Kroatien

Einfach

 

Auf einer Insel  lebten drei  fromme Frauen. Von nah und fern kamen die Menschen, um mit ihnen zusammen zu sein und zu beten.

Eines Tages besuchte sie auch der Bischof. Als sich sein Schiff der Insel näherte, erwarteten ihn am Strand drei ärmliche Gestalten.

"Man sagt", begann der Bischof, "dass ihr Gott schaut. Wie betet ihr zu ihm?"

Die Drei sahen sich ratlos an.
"Wir beten einfach: wir sind drei und du bist drei- steh uns bei!"

Der Bischof war bestürzt: "Nichts sonst? kein Vater unser? Kein Rosenkranz? Keine Psalmen?"
So viel Unwissenheit konnte er nicht zulassen und er fing an, ihnen das Vaterunser Wort für Wort vorzusagen.

Als die drei es nachsprechen konnten, verabschiedete sich der Bischof zufrieden.

Aber kaum befand sich sein Schiff wieder auf See, glaubte er seinen Augen nicht zu trauen:
Hand in Hand eilten die Drei über das Wasser auf ihn zu.
Atemlos riefen sie: "Verehrter Herr, wir haben es vergessen!Wie geht es noch weiter nach 'geheiligt werde dein Name`?" 

Ergriffen warf sich der Bischof auf dem Schiff nieder und berührte mit der Stirn die Planken.
"Betet so weiter, wie ihr es immer getan habt! Gott hört euch!"

Erleichtert verbeugten sich die drei Frauen und gingen beruhigt über die Wellen nach Hause.

 

aus: Geschichten vom Anderen Advent

Der Strom

 

Ein Strom wollte durch die Wüste zum Meer. Doch so schnell er auch in den Sand fließen mochte, seine Wasser wurden dabei aufgesogen und verschwanden. Da hörte er eine Stimme, die aus der Wüste kam und sagte:

„Der Wind durchquert die Wüste, und der Strom kann es auch. Du musst dem Wind erlauben, dich zu deinem Bestimmungsort hinüberzutragen.“

„Aber wie sollte das zugehen?“

„Indem du dich von ihm aufnehmen lässt.“

„Aber kann ich denn nicht derselbe Fluss bleiben, der ich jetzt bin?“

„In keinem Fall kannst du bleiben, was du bist“, flüsterte die geheimnisvolle Stimme.

„Was wahrhaft wesentlich an dir ist, wird fortgetragen und bildet wieder einen Strom.“

Und der Fluss ließ seinen Dunst aufsteigen in die Arme des Windes, der ihn willkommen hieß, sachte und leicht aufwärts trug und ihn, sobald sie den Gipfel des Gebirges erreicht hatten, wieder sanft herabfallen ließ. Schöner und frischer als je zuvor.

aus: „Oh! Noch mehr Geschichten für andere Zeiten“

Foto: I.Otto, Südfrankreich

 

Foto: B.Kommerell, Schwestern unterwegs

 

Titelbild und Foto oben:  Kai Flemming

alle anderen: I.+P. Otto

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