Inspirationen zum Nachsinnen

 

Aus Datenschutzgründen habe ich erst mal alle Gedichte von der Homepage genommen.

Bald wird hier wieder etwas Poetisches stehen, das ohne Zweifel dort stehen darf.

Ich halte noch ein bisschen Ausschau...

 

 

 

 

 

Einfach

 

Auf einer Insel  lebten drei  fromme Frauen. Von nah und fern kamen die Menschen, um mit ihnen zusammen zu sein und zu beten.

Eines Tages besuchte sie auch der Bischof. Als sich sein Schiff der Insel näherte, erwarteten ihn am Strand drei ärmliche Gestalten.

"Man sagt", begann der Bischof, "dass ihr Gott schaut. Wie betet ihr zu ihm?"

Die Drei sahen sich ratlos an.
"Wir beten einfach: wir sind drei und du bist drei- steh uns bei!"

Der Bischof war bestürzt: "Nichts sonst? kein Vater unser? Kein Rosenkranz? Keine Psalmen?"
So viel Unwissenheit konnte er nicht zulassen und er fing an, ihnen das Vaterunser Wort für Wort vorzusagen.

Als die drei es nachsprechen konnten, verabschiedete sich der Bischof zufrieden.

Aber kaum befand sich sein Schiff wieder auf See, glaubte er seinen Augen nicht zu trauen:
Hand in Hand eilten die Drei über das Wasser auf ihn zu.
Atemlos riefen sie: "Verehrter Herr, wir haben es vergessen!Wie geht es noch weiter nach 'geheiligt werde dein Name`?" 

Ergriffen warf sich der Bischof auf dem Schiff nieder und berührte mit der Stirn die Planken.
"Betet so weiter, wie ihr es immer getan habt! Gott hört euch!"

Erleichtert verbeugten sich die drei Frauen und gingen beruhigt über die Wellen nach Hause.

 

aus: Geschichten vom Anderen Advent

 Tee trinken und durchatmen

Der Strom

 

Ein Strom wollte durch die Wüste zum Meer. Doch so schnell er auch in den Sand fließen mochte, seine Wasser wurden dabei aufgesogen und verschwanden. Da hörte er eine Stimme, die aus der Wüste kam und sagte:

„Der Wind durchquert die Wüste, und der Strom kann es auch. Du musst dem Wind erlauben, dich zu deinem Bestimmungsort hinüberzutragen.“

„Aber wie sollte das zugehen?“

„Indem du dich von ihm aufnehmen lässt.“

„Aber kann ich denn nicht derselbe Fluss bleiben, der ich jetzt bin?“

„In keinem Fall kannst du bleiben, was du bist“, flüsterte die geheimnisvolle Stimme.

„Was wahrhaft wesentlich an dir ist, wird fortgetragen und bildet wieder einen Strom.“

Und der Fluss ließ seinen Dunst aufsteigen in die Arme des Windes, der ihn willkommen hieß, sachte und leicht aufwärts trug und ihn, sobald sie den Gipfel des Gebirges erreicht hatten, wieder sanft herabfallen ließ. Schöner und frischer als je zuvor.

aus: „Oh! Noch mehr Geschichten für andere Zeiten“

 

 

Fotos: Kai Flemming

Willkommen !

Anmeldung zum

 

kostenlosen Newsletter

Hinweis: Bitte die mit * gekennzeichneten Felder ausfüllen.