Inspirationen zum Nachsinnen, Schmunzeln,...

Es ist die Zeit

 

Es ist die Zeit,

wo die Nester bewohnt werden

von den Schneeflocken

und die goldenen Blätter

Abschied genommen haben

in leichtem Fall.

 

Es ist die Zeit,

wo die Gedanken sich wenden

und die Häupter sich heben

und das Herz sich erinnert,

dass Dunkelheit

nicht dunkel ist bei ihm

und Licht sein wird statt Nacht.

 

Es ist die Zeit,

wo die Rechtschaffenen

zu schweigen beginnen

und neue Worte gefunden werden

von denen, die gesucht haben,

während sie warteten.

 

Es ist die Zeit,

wo wir beginnen, uns Gott ans Herz zu legen.

Mir geschehe, wie du gesagt hast!

 

 

Frank Howaldt

 

 

Es treibt der Wind

 

Es treibt der Wind im Winterwalde
die Flockenherde wie ein Hirt,
und manche Tanne ahnt, wie balde
sie fromm und lichterheilig wird,
und lauscht hinaus, den weißen Wegen
streckt sie die Zweige hin - bereit,
und wehrt dem Wind und wächst entgegen
der einen Nacht der Heiligkeit.

 

R.M.Rilke

 

Entfernt

 

Ich bin weit entfernt

von mir

 

Komme mir

selber entgegen

und erwarte mich

 

Die Erwartung bleibt

hinter mir zurück

 

Rose Ausländer

Wunsch an das Leben

 

Zu sein, wer ich bin,

nicht mehr

aber auch nicht weniger

 

und ganz,

 

um da zu sein

für die,

die ich liebe.

 

 

Catarina Carsten

Älter werden                                        

 

 

Zögern mitten im Satz

 

Nachfragen wenn man glaubt
Es verstanden zu haben

 

Es nicht mehr eilig haben
mit dem Wissen wollen

 

Einen Stein ein Glas eine Hand
länger festhalten als nötig

 

Den Ärmel des Gegenübers beim Reden berühren
zu spüren man ist noch da

 

Ein Buch einen Blick eine Haut verlieren
und nicht mehr finden wollen

 

Erinnern statt sehnen

 

Den Gedanken: Das alles ist nach mir noch da
trainieren wie einen Muskel

 

Gefühl als wäre jemand im Zimmer

 

Ulla Hahn

Die Schuldfrage

 

Ein Passant geht die Straße entlang. Plötzlich stürzt ein Mann eilig aus einem Hauseingang- die beiden prallen heftig gegeneinander.

Der Eilige ist furchtbar wütend, schreit und beschimpft den überraschten Passanten.

Daraufhin verbeugt sich dieser und sagt:

"Ich weiß nicht, wer von uns an diesem Zusammenstoß die Schuld trägt. Ich bin aber auch nicht gewillt, meine kostbare Zeit mit der Beantwortung dieser Frage zu vergeuden. Deshalb: Wenn ich die Schuld trage, entschuldige ich mich hiermit und bitte Sie für meine Unachtsamkeit um Verzeihung. Falls Sie der Schuldige sind, können Sie die Sache einfach vergessen."

Damit verbeugt er sich und geht schmunzelnd seines Weges.

 

nach Anthony de Mello

Der Strom

 

Ein Strom wollte durch die Wüste zum Meer. Doch so schnell er auch in den Sand fließen mochte, seine Wasser wurden dabei aufgesogen und verschwanden. Da hörte er eine Stimme, die aus der Wüste kam und sagte:

„Der Wind durchquert die Wüste, und der Strom kann es auch. Du musst dem Wind erlauben, dich zu deinem Bestimmungsort hinüberzutragen.“

„Aber wie sollte das zugehen?“

„Indem du dich von ihm aufnehmen lässt.“

„Aber kann ich denn nicht derselbe Fluss bleiben, der ich jetzt bin?“

„In keinem Fall kannst du bleiben, was du bist“, flüsterte die geheimnisvolle Stimme.

„Was wahrhaft wesentlich an dir ist, wird fortgetragen und bildet wieder einen Strom.“

Und der Fluss ließ seinen Dunst aufsteigen in die Arme des Windes, der ihn willkommen hieß, sachte und leicht aufwärts trug und ihn, sobald sie den Gipfel des Gebirges erreicht hatten, wieder sanft herabfallen ließ. Schöner und frischer als je zuvor.

aus: „Oh! Noch mehr Geschichten für andere Zeiten“

 

Segen

 

ohne Angst

geh deinen Weg
vertrau-
geh immer
der Liebe entlang
sie sei dein Faden
zum Ziel
Eva-Maria Leiber

Willkommen !

Titelfoto: Kai Flemming

Hinweis: Bitte die mit * gekennzeichneten Felder ausfüllen.